Kategorie: Zwischen ewiger Jugend und Verletzlichkeit

Platz 1 | Michi Brezel – Für immer dehnen

Jurybegründung

Auf dem schmalen Grat zwischen Fitness-Drang und Fitness-Zwang arbeitet sich dieses ältere Paar wacker voran. Dass er sich nach der Rumpfbeuge nicht mehr aufrichten kann, ist weniger komisch als die lakonische Beiläufigkeit, mit der sie eine massive Langhantel hält – physiologisch unmöglich! 

Die Zeichnung ist gekonnt hingeworfen, die Bildsprache auf das Wesentliche reduziert. Und ganz nebenbei drehen die lustigen Figuren noch Geschlechterstereotypen um, denn offensichtlich ist sie die Stärkere.

Platz 2 | Uli Döring – 20/60

Jurybegründung

Geht ein Mann zum Arzt (oder in diesem Fall zur Ärztin) – so beginnen unzählige Witze. Die Antwort des älteren Patienten auf die Frage nach seinem Befinden ist beherzt, denn er parodiert den uralten Menschheitstraum von ewiger Jugend mit einer Formel: Alter plus Korpulenz gleich multiplizierte Jugend. 

Indirekt stellt er damit die Gegenfrage: Sollte man gegen das Altern ankämpfen? Stichworte wie Anti-Aging, Longevity, also Langlebigkeit, oder gar das Zurückdrehen der biologischen Uhr kommen in den Sinn. Sicher ist nur, dass einem darüber das Lachen nicht vergehen sollte: Das verdeutlicht diese klar fokussierte Zeichnung ohne Schnick-Schnack. 

Platz 3 | BECK – Gut aussehen

Jurybegründung

Früher war alles besser. Dieser Satz speist sich aus der Erinnerung an die eigene Jugend und der Verzweiflung, auch mit Kosmetik, Mode und Sprache nichts an der fortschreitenden Alterung ändern zu können. Diese Tragik verwandelt die Karikatur in Komik, indem sie zwei ältere Herren mit vergeblicher Grandezza in der Tradition der Muppets Waldorf und Statler einen bitteren Witz auf eigene Kosten reißen lässt – sicher nur ein Spruch von vielen, so der Eindruck. 

Diese Karikatur ist ein kleines Lehrstück in der Kunst des Loslassens, wunderbar gezeichnet in unverkennbarem Stil.