In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen durch Suizid, besonders gefährdet sind Menschen im hohen Lebensalter. Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen begrüßt deshalb die Pläne der Bundesregierung zur Stärkung der nationalen Suizidprävention, die sie zusammen mit anderen Verbänden seit Langem fordert. Ziel des Gesetzesvorhabens ist es, die Prävention von Suizidversuchen und Suiziden durch Information, Aufklärung, Forschung und Unterstützung von Menschen in Krisensituationen zu stärken. In ihrer Stellungnahme hebt die BAGSO positiv hervor, dass Menschen in der letzten Lebensphase im Referentenentwurf als eine zentrale Zielgruppe der Suizidprävention anerkannt werden.
Die BAGSO mahnt an, dass neben Beratungsstellen auch die notwendigen Hilfsangebote für Menschen im hohen Lebensalter flächendeckend verfügbar sein müssen. Der Ausbau von Hospizen, palliativmedizinischer Versorgung sowie psychiatrischen und psychotherapeutischen Angeboten ist Voraussetzung für das Gelingen einer wirksamen Suizidprävention im Alter. Auch Angeboten der kommunalen Altenhilfe kommt hier eine wichtige Aufgabe zu. Seit Langem warnen Fachleute, dass eine auskömmliche Finanzierung vieler bestehender Unterstützungsangebote fehlt.
Die BAGSO drängt in ihrer Stellungnahme zudem auf eine Neuregelung der Suizidassistenz, die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2020 nötig geworden ist. Sie appelliert an die Bundesregierung, das Verfahren für einen freiverantwortlichen Suizid und die Hilfe durch Dritte möglichst bald im Rahmen der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts klar zu regeln. In dem aktuellen Gesetzesvorhaben werden Fragen der Suizidassistenz lediglich implizit geregelt. So nimmt der Gesetzentwurf eine theoretische Unterscheidung zwischen „Menschen mit Suizidgedanken“ und „Sterbewilligen“ vor, die in der Praxis äußerst schwierig ist. Dynamik und Stabilität – also Langfristigkeit – des Sterbewunsches finden dabei keine angemessene Berücksichtigung, was aus Sicht der BAGSO ein wesentlicher Mangel ist.