Alternative Wohnformen

Der Wunsch vieler Menschen nach einem möglichst selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter hat die Entstehung alternativer gemeinschaftlicher Wohnformen begünstigt: Senioren-Wohngemeinschaften, Hausgemeinschaften oder integriertes Wohnen sind drei inzwischen bundesweit etablierte alternative Wohnformen.

In der Broschüre „Länger zuhause wohnen – ein Wegweiser für das Wohnen im Alter“ (2015) des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die im Rahmen des Projektes „Zuhause im Alter“ erstellt wurde, sind neben umfassenden Informationen zu verschiedenen gemeinschaftlichen Wohnformen und ihrer Finanzierung auch Beispiele und hilfreiche Kontakte aufgelistet. Zusätzlich steht auch eine englische Version der Broschüre zur Verfügung.

Ausführliche Informationen - auch zu den Rechtsformen und Konditionen alternativer Wohnformen - erteilt das Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V., das sich seit 20 Jahren mit diesem Thema befasst. Auf dessen Seiten sind nach Bundesländern gegliedert die Mitgliedsorganisationen aufgelistet, die vor Ort informieren können. In der Wohnprojektbörse können Sie außerdem nach geeigneten Projekten suchen oder selbst Ihr Gesuch nach einem bestimmten Wohnprojekt einstellen.

Senioren-Wohngemeinschaften

In Senioren-Wohngemeinschaften leben ältere Menschen zusammen in einer Wohnung. Jeder bewohnt ein eigenes Zimmer, Küche und Bad werden gemeinsam genutzt. Außerdem gibt es in der Regel ein Gemeinschaftszimmer, das allen zur Verfügung steht.

Diese Art des gemeinschaftlichen Wohnens kann Schutz vor Vereinsamung bieten und auch finanziell vorteilhaft sein. So ist der Mietpreis für den Einzelnen geringer, die Kosten für eine Haushaltshilfe können geteilt, eine Anschaffung kann getätigt werden, für die die Rente eines Einzelnen nicht gereicht hätte. Auch Pflegeleistungen können zusammen in Anspruch genommen werden. Nähere Informationen über das sogenannte Poolen von Pflegeleistungen (Zusammenlegung von Leistungen) erhalten Sie in dem Ratgeber zur Pflege des Bundesministerium für Gesundheit (BMG).
 
Allerdings verlangt das gemeinschaftliche Leben in einer Wohnung auch ein gewisses Maß an sozialen Fähigkeiten und gegenseitiger Toleranz. Damit es nicht zu Mißverständnissen kommt, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Rechte und Pflichten aller Bewohner klar geregelt sind. Außerdem sollte im Mietvertrag festgeschrieben sein, wie Sie im Falle eines Auszugs oder bei Mietrückständen verfahren wollen.

Hausgemeinschaften

Senioren-Häuser sind Hausgemeinschaften, in denen mehrere Senioren in einem Haus zusammenleben. Im Unterschied zur Wohngemeinschaft besitzt jeder Bewohner eine eigene, abgeschlossene Wohneinheit, zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, die von allen genutzt werden.

Senioren-Häuser bieten viele der Vorteile von Wohngemeinschaften ohne deren Nachteile. Die Bewohner können zwanglos gemeinsam aktiv werden und sich gegenseitig helfen. Zugleich hat jeder die Möglichkeit zum Rückzug in die eigene Wohnung.

Integriertes Wohnen

In integrierten Wohnprojekten leben Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Lebensstationen und -konzepte zusammen: ältere und jüngere, behinderte und nichtbehinderte Menschen, Kinderlose, Alleinerziehende und Familien. Ziel des integrierten Wohnens, auch „Mehrgenerationenwohnen“ genannt, ist es, sich gegenseitig zu unterstützen.

Zumeist handelt es sich bei diesen Wohnprojekten um größere Wohnkomplexe. Jeder Bewohner hat seinen eigenen abgeschlossenen Wohnbereich. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume und ein gemeinsamer Garten. In der Regel sind alle Wohnungen und die Gemeinschaftsflächen barrierefrei und damit für alle Bewohner zugänglich und nutzbar.

Wohnen für Hilfe

Es gibt zahlreiche weitere Varianten, wie Wohnprojekte nur für Frauen oder „Wohnen für Hilfe“. Bei dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ erhalten junge Menschen – in der Regel Studierende – günstig Wohnraum in der (zu groß gewordenen) Wohnung eines älteren Menschen. Im Gegenzug helfen sie diesem bei kleineren Aufgaben, z.B. beim Einkaufen, im Garten oder beim Gang zum Arzt. Pflegetätigkeiten werden nicht übernommen. Realisiert wird dieses Modell u.a. in Köln. Nähere Informationen und eine Übersicht über Städte, die „Wohnen für Hilfe“ umsetzen, finden Sie unter www.wohnenfuerhilfe.info.  

Siedlungsgemeinschaften

Neue Ansätze gibt es auch bei der Entwicklung von Infrastrukturen, z.B. durch die Siedlungsgemeinschaften. Hierbei ändert sich nicht das Wohnen selbst; vielmehr werden für die Bewohner Hilfs- und Gemeinschaftsangebote organisiert. So soll das generationenübergreifende Miteinander der in der Siedlung lebenden Menschen gefördert werden.