Volker Schmidt, Deutscher Senioren Ring e.V.:

Reisebus versus Linienbus

Fakt ist, dass bei der Gestaltung / Produktion von Linienbussen die Bedürfnisse der zu befördernden Personen für die Ausgestaltung der Einstiegs- und Sitzbereiche berücksichtigt werden. Hintergrund ist zwar nicht die Person an sich, sondern die erforderliche Einhaltung der Fahrzeiten. Um diese bestmöglich zu gewährleisten müssen die Belange mobilitätseingeschränkter Personen, Behinderter sowie Personen mit Kinderwagen oder Gepäck in die Ausgestaltung einbezogen werden. Im Ergebnis sind dies breite und niedrige Einstiege, gute Sitzpositionen, die das Aufstehen erleichtern, sowie ausreichend Haltegriffe.

 

Meine Aussage in Bezug auf Superhochdecker-Reisebusse, die von einem Journalisten konkret gestellt wurde, war nun folgende:

Bei der Gestaltung / Produktion von Hochdecker-Reisebussen werden viele grundlegende Bedürfnisse der Reisenden (zu befördernden Personen) leider außer acht gelassen. Hochdecker werden auf Optik gestaltet, darauf dass störende Radkästen im Fahrgastraum eben abgedeckt und sozusagen in den Kofferraumbereich verlegt werden. Weiters wird auf die Gepäckbeförderung geachtet und darauf, dass möglichst viele Sitze für den begrenzten Raum untergebracht werden. Damit entstehen aber für eine nennenswerte Klientel der Reisenden Nachteile. Bei vielen Hochdeckern (bis 3-Sterne) äußert sich das in sehr engen Sitzabständen, die etwas größeren Menschen sowie Reisenden mit selbst einfachen Behinderungen Probleme bereiten, Einstiege mit vielen Stufen und sehr enge Einstiegsbereiche tun ihr übriges.

 

Meine Forderung an die Bushersteller und Busunternehmer, als bauliche Auftraggeber für Reisebusse, ist daher die, dass man mit etwas Überlegung und Einbeziehung der konkreten Bedürfnisse der Reisenden Reisebusse bequemer und nachweislich auch sicherer gestalten kann. Im Notfall verhelfen breitere und zugleich niedrigere Einstiegsbereiche garantiert einer schnelleren Evakuierung des Fahrzeugs.

 

Bustoiletten im Mitteleinstieg bei Hochdeckern öffnen zumeist nach außen. Damit würde eine geöffnete Toilettentür im Notfall sogar den Mittelausstieg versperren.

 

Meine Empfehlung bzw. Ansatz ist, dass die Bushersteller Fahrzeuge im Portfolio haben, die die Bedürfnisse älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen durchweg berücksichtigen würden. Viele solcher Fahrzeuge werden im Überlandlinienverkehr eingesetzt und zudem als Kombifahrzeuge genutzt. Ausgestattet noch mit dem richtigen Sitzabstand, eignen sich solche Fahrzeuge ideal für Tagesfahrten und kürzere Mehrtagesreisen.

 

Mit dem Wissen, dass eine Reisegruppe mehrere mobilitäseingeschränkte Peronen hat, egal ob Senioren oder nicht, sollte meiner Auffassung nach der Einsatz von Super-Hochdeckern gut überlegt werden.

 

Eine weitere Aussage war, dass fachlich geschulte Busfahrer unabdingbar sind, im Bezug auf die sichere Fahrzeugführung und für den Umgang mit Notsituationen. Weiterhin halte ich es für wichtig, Busfahrer - sofern dies nicht bereits geschieht - auch im Umgang mit älteren Reisenden und deren Bedürfnissen zu trainieren.