Bundesmodellprogramm "Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI) gestartet

 

Dr. Gertrud Zimmermann, BMFSFJ

1. Ziele und Programmstruktur

Zielsetzung des Multiplikatorenprogramms ist es, ältere Menschen in der Wertigkeit ihres Erfahrungswissens zu bestärken und dieses Wissen für die Gesellschaft besser zu nutzen. Hierdurch soll auch die Weitergabe von Wissen zwischen den Generationen gefördert werden. Das Programm ist gedacht als ein Beitrag zur Neufindung der gesellschaftlichen Position älterer Menschen und zur Anerkennung ihres Beitrages für die Gemeinschaft.

Bedarfslage

Die Weitergabe des Erfahrungswissens älterer Menschen erfolgt auf vielen Wegen und in allen gesellschaftlichen Bereichen. Innerhalb des Multiplikatorenprogramms "Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI) ist vorgesehen, den Bereich des ehrenamtlichen Engagements gezielt zu fördern. Ein großer Teil der Bundesbürger und auch viele ältere Menschen setzen sich mit freiwilligem Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen für die Gemeinschaft ein. (Siehe Veröffentlichungen in der Schriftenreihe des BMFSFJ: "Freiwilliges Engagement in Deutschland" - Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement: Band 194.1: Gesamtbericht; Band 194.2: Zugangswege; Band 194.3: Frauen und Männer, Jugend, Senioren, Sport)

Freiwillig engagierte Menschen suchen zunehmend Tätigkeiten, in denen sich der Einzelne eigenverantwortlich einbringen kann, in denen er "für sich und andere" gleichermaßen tätig ist. Dies stellt höhere Anforderungen als die Tätigkeit in reinen Hilfsdiensten, die unter hauptamtlicher Aufsicht und Anleitung erfolgen, und macht in vielen Fällen eine fachliche Fortbildung und Unterstützung notwendig, um Fehlschlägen und Enttäuschungen vorzubeugen.

Aus der Repräsentativerhebung zum ehrenamtlichen Engagement wissen wir, dass nur 50 % aller ehrenamtlich Tätigen Weiterbildungsangebote in irgendeiner Form kennen. Dagegen zeigt sich gerade bei den jüngeren Älteren bzw. denjenigen, die in den kommenden Jahren das Ruhestandsalter erreichen, eine steigende Bildungsbereitschaft und -nachfrage. Das von älteren Menschen in ihr ehrenamtliches Engagement eingesetzte Erfahrungswissen soll gestützt und weiterentwickelt werden. Hierzu sollen ältere Menschen als Multiplikatoren geschult und eingesetzt werden. Es ist vorgesehen, ein Tätigkeitsfeld seniorTrainerin/Trainer zu schaffen. Aufgabe einer seniorTrainerin bzw. eines seniorTrainers ist die fachliche Unterstützung, Beratung und Begleitung von ehrenamtlichen Initiativgruppen. Auch wenn der Einsatz vorrangig zur Unterstützung von Senioreninitiativen gedacht ist, sollen Initiativgruppen jeden Alters den Zugang zu dieser Dienstleistung erhalten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Multiplikatorenprogramms

Das Multiplikatorenprogramm wird bundesweit, d.h. in Kooperation mit voraussichtlich 12 Bundesländern, durchgeführt. Das Tätigkeitsfeld einer seniorTrainerin bzw. eines seniorTrainers steht Menschen im Übergang (z.B. Vorruhestand, Altersteilzeit), im Anschluss an die Erwerbsphase oder an die aktive Familienphase offen. Zur Ausübung von Vortrags-, Lehr-, Supervisions- oder Tutorentätigkeiten bei örtlich tätigen Freiwilligeninitiativen sind Fachleute angesprochen, die spezifische Erfahrungen aus ihrem beruflichen Kontext mitbringen. Ihnen wird für die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Initiativen eine Zusatzqualifikation angeboten. Gleichzeitig sind erfahrene Ehrenamtliche angesprochen. Für die Weitervermittlung ihrer Erfahrungen erhalten die künftigen seniorTrainerinnen/Trainer ein Kursangebot zur Didaktik der Wissensvermittlung sowie die Möglichkeit, sich für spezielle Inhalte weiterzubilden. Die Kurse zur seniorTrainerin und zum seniorTrainer werden bei erfahrenen überörtlichen Bildungsträgern in den jeweils beteiligten Bundesländern durchgeführt. Teilweise bestehen Kooperationsbestrebungen zwischen benachbarten Ländern. Die Bildungsträger sind von den Ländern benannt worden. Es werden ältere Menschen gesucht, die Interesse an der Tätigkeit als seniorTrainerin/Trainer haben und die bereit sind, sich hierfür fortzubilden. Gleichzeitig muss die Nachfrage nach seniorTrainerinnen/Trainern bei örtlich tätigen Initiativgruppen ermittelt werden. Hierfür ist eine lokal tätige Stelle erforderlich, die Interessenten wirbt und - nach Abschluss des Kurses -vermittelt. Diese Aufgabe übernehmen bereits bestehende Agenturen (z.B. Freiwilligenagentur, Freiwilligenzentrum, Seniorenbüro, Wissensbörse, Seniorenakademie oder Seniorenvertretung), die einen guten Zugang zum Ehrenamtsbereich besitzen. Sie wurden in Flächenstaaten, die eigene Bildungsträger benannt haben, durch einen Teilnahmewettbewerb ermittelt. Gewinnung und Einsatz der seniorTrainerinnen/Trainer erfolgen bei diesen örtlichen Agenturen. Da sie in Kommunen angesiedelt sind, können sie die örtlichen Bedarfslagen in das Multiplikatorenprogramm einbringen. Zwischen überörtlichen Bildungsträgern und örtlichen Agenturen wird ein Kooperationsvertrag geschlossen, mit dem die Modalitäten der Zusammenarbeit im Multiplikatorenprogramm geregelt werden.

Kursangebote

Für die seniorTrainerinnen/Trainer wird ein Kursangebot entwickelt. Bei den Kursangeboten zur seniorTrainerin und zum seniorTrainer ist ein Modulsystem vorgesehen, das die Kombination unterschiedlicher Bausteine und die Anpassung an die unterschiedlichen Vorkenntnisse der seniorTrainerin/Trainer ermöglicht. Es wird ein Grundkurs geschaffen, der für die Ehrenamtsbereiche übergreifend relevant ist, z.B. Aufbau einer Projektgruppe, Gesprächs- und Verhandlungsführung, Außenwirkung, Projektplanung etc. Ziel ist die Rückbesinnung auf das Erfahrungswissen derjenigen, die am Kurs teilnehmen und die gemeinsame Erarbeitung von Zugehensweisen auf der Grundlage erprobter Wege. Ein Rahmencurriculum wird vorbereitet und im Programmverlauf gemeinsam mit den Bildungsträgern weiterentwickelt. Die Entwicklung der Curricula für die Grundkurse erfolgt in Zusammenarbeit mit den überörtlichen Bildungsträgern und in Rückkoppelung mit den örtlichen Agenturen. Ein Rahmencurriculum wird derzeit konzipiert und den Bildungsträgern zur Verfügung gestellt. Die Curricula werden während der Laufzeit des Modellprogramms anhand der von den seniorTrainerinnen/Trainern bei ihrem Einsatz gewonnenen Erfahrungen überarbeitet und weiterentwickelt. Ergänzend sind inhaltliche Schulungsangebote für spezielle Fachbereiche des ehrenamtlichen Engagements geplant, die zentral in Fachkursen angeboten werden und bundesweit zur Verfügung stehen. (z.B. Internet, Wohnberatung, Besuchsdienste, generationsübergreifende Projekte etc.)

Einsatz der seniorTrainerinnen und seniorTrainer

Die Kurse werden den seniorTrainerinnen/Trainern überwiegend kostenfrei angeboten. Die Teilnehmer müssen sich jedoch verpflichten, für den Einsatz vor Ort zur Verfügung zu stehen. Die Tätigkeit als seniorTrainerin/Trainer setzt auch die Bereitschaft zur künftigen Weiterbildung voraus. SeniorTrainerinnen/Trainer, die erfolgreich ein Qualifizierungsprogramm durchlaufen haben und für den örtlichen Einsatz zur Verfügung stehen, erhalten eine SeniorenEhrenamtsCard (Seneca), die als Identitätsnachweis dient und gleichzeitig einen Versicherungsschutz bei ihrem Einsatz gewährleistet. SeniorTrainerinnen/Trainer können vor Ort Initiativgruppen aufbauen, bei der Zielfindung und der laufenden Arbeit beraten sowie in fachlichen Fragen schulen. Angesprochen sind dabei Initiativgruppen in allen Altersklassen und Tätigkeitsbereichen.

Im Lauf des Programms werden Arbeitsmaterialien entwickelt, die den seniorTrainerinnen/Trainern für ihren Einsatz bei Initiativgruppen zur Verfügung stehen können. Um eine große Breitenwirkung zu erreichen, wird das Multiplikatorenprogramm EFI durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit auf örtlicher Ebene und mit bundesweiten Aktionen unterstützt. Dabei werden die Themen aufgegriffen, die für die Arbeit von seniorTrainerinnen/ Trainern und Initiativgruppen besonders wichtig sind. Zur fachlichen Beratung und Begleitung des Modellprogramms und der Weiterbearbeitung einzelner Fachbereiche wurde ein Beirat aus praxiserfahrenen und wissenschaftlich ausgewiesenen Expertinnen und Experten eingesetzt.

Zeitablauf

Die Kurse zur seniorTrainerin und zum seniorTrainer starten im 4. Quartal 2002. Der Einsatz von seniorTrainerinnen/Trainern ist ab 2003 möglich. Der Übergang in die Regelstrukturen soll nach Beendigung des Modellprogramms im Jahr 2006 erfolgen.

 

Joachim Braun, ISAB

2. Ziele und Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitung

Insgesamt wirken an der wissenschaftlichen Begleitung drei Partner mit:

     

  1. Das Institut für sozialwissenschaftliche Analysen und Beratung
    ISAB ist zuständig für die Projektsteuerung und für die Beratung und Begleitung der am Modellprogramm beteiligten Akteure.
  2. Die Fachhochschule Neubrandenburg
    Professor Burmeister ist zuständig für die Weiterentwicklung des bereits erstellten Rahmencurriculas für die Qualifizierung von SeniorTrainern durch die Bildungsträger.
  3. Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik
    Das ISG ist zuständig für die Evaluation der laufenden Projektentwicklung und der Projektergebnisse.

Eine Werbeagentur wird verantwortlich sein für die praktische Umsetzung der zentralen Öffentlichkeitsarbeit des Modellprogramms sowie für die Unterstützung der lokalen Öffentlichkeitsarbeit in den am Modellprogramm beteiligten Kommunen, insbesondere für die Bereitstellung von Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Aufgaben der Projektkoordination erstrecken sich insbesondere auf die Sicherstellung einer ausreichenden Kooperation zwischen

     

  • den Gremien und Akteuren des EFI-Programms,
  • den drei Ebenen: Bund, Länder, örtliche Ebene.

Neben der kontinuierlichen Abstimmung der Arbeitschritte im Projektverlauf sowie der Rückkopplung wichtiger Teilergebnisse an das Ministerium ist es für den Erfolg der Durchführung des Multiplikatorenprogramms unverzichtbar, dass zwischen den Aufgaben "Beratung und Begleitung", der Aufgabe "Curriculumentwicklung" und der Aufgabe "Evaluierung" eine enge terminliche und inhaltliche Abstimmung gewährleistet wird.

Im einzelnen umfasst die Projektkoordination folgende Leistungen:

     

  1. Projektfeinplanung und -steuerung und laufende Kooperation mit dem Ministerium sowie Aufgaben- und Terminkoordinationen zwischen den drei Partnern der wissenschaftlichen Begleitung,
  2. Vorbereitung von Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit für das EFI-Programm, Durchführung von vier Fachtagungen in Kombination mit den programminternen Workshops, Erstellung von Newslettern,
  3. organisatorische Betreuung des Beirates, einem interdisziplinär zusammengesetzten Fachgremium mit 16 Mitgliedern sowie der Lenkungsgruppe für das EFI-Programm (sechs Personen),
  4. Koordination der Berichterstattung der drei Akteure der wissenschaftlichen Begleitung für den Zwischen- und Abschlussbericht,
  5. Zertifikatsentwicklung, Abschluss einer Versicherung und Sicherstellung der Ausgabe der Seneca.

Der Aufgabenschwerpunkt "Beratung und Begleitung" wird durch fünf Teilaufgaben umgesetzt:

     

  1. Bundesweiter Teilnehmerwettbewerb bei örtlichen Anlaufstellen für freiwilliges Engagement und Festlegung der in das Modellprogramm einzubeziehenden Kommunen,
  2. Unterstützung der 33 Anlaufstellen für freiwilliges Engagement bei der Rekrutierung von seniorTrainern,
  3. Unterstützung der Anlaufstellen beim Einsatz der seniorTrainer sowie Entwicklung von Handreichungen für seniorTrainer,
  4. Handreichungen für 11 Bildungsträger und Informationsveranstaltungen zur Durchführung der Seminarblöcke.
  5. Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren sowie Netzwerkaufbau.
  6.  

 

Prof. Dr. Detlef Knopf / Wolf Hinsching

3. Fortbildung zum seniorTrainer

- ein Rahmencurriculum im Multiplikatorenprogramm "Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI)

 

Ziele des Fortbildungsprogramms

Das hier vorgeschlagene Rahmencurriculum zur Fortbildung künftiger seniorTrainer formuliert Eckpunkte für die Wahl von Lernzielen, Inhalten, Methoden und Medien, um eine einheitliche Grundstruktur der Bildungsangebote für "seniorTrainer", die an den verschiedenen Standorten im Bundesgebiet realisiert werden sollen, zu sichern. Es enthält Anregungen für die Planung und didaktische Umsetzung der vorgesehenen drei Kursblöcke in einer Form, die den örtlichen Trägern hinreichend Gelegenheit zu flexibler, teilnehmerorientierter und auf die situativen Notwendigkeiten abgestimmter Praxis eröffnen möchte.

Das EFI-Programm greift die in der Fachliteratur jüngst immer wieder festgestellte wachsende Weiterbildungsbereitschaft älterer Menschen auf, die nicht zuletzt von den bürgerschaftlich Engagierten unter ihnen artikuliert wird. Die Basisfortbildung soll dazu beitragen, die künftigen seniorTrainer dabei zu unterstützen, ihr Engagement in neue Bereiche wie die Initiierung, Beratung und Begleitung von Projekten und Initiativen hin auszuweiten. Bezugspunkt ist und bleibt das in beruflicher und familiärer Tätigkeit, Lebenserfahrung und ehrenamtlicher Praxis fundierte Erfahrungswissen. Dieses kann und soll nicht in kühle professionelle Kompetenz transformiert, sondern - soweit in den jeweiligen Handlungszusammenhängen sinnvoll - als wertvolle Ressource bürgerschaftlichen Engagements aufgegriffen werden; ebenso muss seine Vermittelbarkeit optimiert werden.

Das Rahmencurriculum ist deshalb so angelegt, dass vorhandene Erfahrungen reflektiert und mit ausgewählten, inhaltlich und methodisch vermutlich weniger vertrauten (fachlichen) Einsichten verknüpft werden können. Die seniorTrainer sollen dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Kompetenzen im Lichte professionell erprobten Wissens, antizipierter Anwendungssituationen und kollegialen Austausches einzuschätzen. Das kann Anlass werden zur Überprüfung eigener Überzeugungen, zur Auseinandersetzung mit neuen Kenntnissen und womöglich zur Entwicklung je individueller Lern-Interessen: Die Teilnehmer werden miteinander und voneinander lernen und Neues für ihre Praxis dazu lernen.

 

Adressaten der Basisfortbildung

Als seniorTrainer sollen ältere Menschen gewonnen werden, die ihr Erfahrungswissen ehrenamtlich für neue bürgerschaftliche Aufgaben einzusetzen bereit sind. Darunter werden solche sein, die ihre beruflichen Kompetenzen in veränderten Kontexten anwenden wollen, die ihr Hobby zum Gegenstand ihres Engagements machen oder die auf der Grundlage intensiver Erfahrungen mit dem Ehrenamt Neues beginnen wollen. Eine bruchlose Fortsetzung bisheriger Aktivitäten wird eher selten vorkommen. Beim Transfer vorwiegend beruflich erworbener Kompetenzen in ehrenamtlich geprägte Sozialmilieus sollen die seniorTrainer ebenso unterstützt werden wie bei der Aneignung basaler Management- und Didaktik-Kompetenz dort, wo das Erfahrungswissen vorwiegend im Rahmen familienbezogener und ehrenamtlicher Tätigkeit gewonnen wurde. "Strukturbrüche" müssen in geeigneter Weise thematisiert und bearbeitet werden. Die jeweiligen spezifischen Fach- und Milieukenntnisse stellen wichtige Ressourcen für ihr Engagement als seniorTrainer dar, wenn sie ergänzt werden um pädagogisch-methodische Vermittlungskompetenzen und eine Überprüfung von Haltungen und Herangehensweisen im Lichte der jeweiligen Praxisanforderungen, die die Beratung und Unterstützung suchenden Initiativen an die seniorTrainer stellen. Die im Hinblick auf Vorerfahrungen, Interessen und gewünschte Engagementbereiche gegebenen individuellen Differenzen müssen unbedingt für den gemeinsamen Lernprozess genutzt werden, etwa im Hinblick auf eine Differenzierung sozialer Wahrnehmung und die Sensibilisierung für unterschiedliche "Kulturen", Traditionen und Milieus bürgerschaftlichen Engagements. SeniorTrainer sollten sich dadurch auszeichnen, dass sie über ein Gespür für wichtige Themen und Probleme des Gemeinwesens verfügen, sensibel und aufnahmebereit soziale Entwicklungen wahrnehmen und deuten können, um dann kreativ "Angebote" für spezifische soziale Umwelten zu entwickeln. Die Fortbildung muss die Teilnehmer dabei unterstützen, indem sie Anlässe und Gelegenheiten zum Austausch mit sozialen Akteuren im Gemeinwesen schafft, Einblicke in Netzwerkstrukturen lokaler Gemeinschaften eröffnet.

Angesichts der großen Varianz der Anforderungen wird es nicht möglich sein, ein konkretes, auch in jedem Einzelfall gültiges Aktivitätsprofil der seniorTrainer zu bestimmen. Im Gegenteil: Spezialisierungen sind im Rahmen eines die Vielfalt der Interessen und Talente der älteren Menschen bewahrenden Netzwerks wünschenswert. Die gemeinsame Fortbildung und überregionale Kontakte der seniorTrainer werden dem Aufbau solcher Netzwerke im Sinne regionaler Zusammenschlüsse dienen können. Die Chancen der seniorTrainer, als Berater und Begleiter von Initiativen nachgefragt zu werden, steigen in dem Maße, in dem sie von diesen als bürgerschaftlich Engagierter "wiedererkannt" werden. Die Fähigkeit mit Hauptamtlichen in unterschiedlichen institutionellen Zusammenhängen selbstbewusst und effektiv zusammenarbeiten zu können, gehört gleichermaßen zu einer wichtigen, im Rahmen der Fortbildung durch Einblicke in deren spezielle Aufgaben, Schwierigkeiten und Handlungszwänge zu verarbeitenden Anforderung an seniorTrainer. Die Kooperation mit Initiativen gestaltet sich je nach Engagementfeld und Organisationsform (Selbsthilfe, fremdorganisierte Einsatzfelder, selbstorganisierte Projekte) voraussichtlich recht unterschiedlich: Die seniorTrainer müssen dabei unterstützt werden, je eigene Logiken, Motivlagen und Werthaltungen der Initiativen wahrzunehmen und aufzugreifen, die Beratungsbeziehung konstruktiv zu gestalten und eine offene Haltung als Mit-Lernender zu bewahren. Dann können sie eine wichtige Rolle spielen bei der Erschließung von neuen Potenzialen und der Vertrauensbildung unter verschiedenen Gruppen und Initiativen sowie der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen diesen und Institutionen.

Methodische und didaktische Überlegungen

Der Fortbildungsteil des Programms besteht aus einer Serie von drei jeweils dreitägigen Seminarblöcken, die in einer festen Gruppe von künftigen seniorTrainern aus einer Region absolviert werden, sowie mindestens einem selbstgewählten Vertiefungsblock von ebenfalls drei Tagen, dessen Teilnehmer sich aus Interessierten aus dem ganzen Bundesgebiet zusammensetzen können. Die angestrebten Ziele lassen sich nur in Lerngruppen erreichen, die eine gewisse Dauer aufweisen. Sinnvoll wäre es, unterhalb der auf Länderebene eingerichteten Fortbildungsgruppen möglichst auch die Bildung von peer-groups vor Ort anzuregen, die sich regelmäßig zum Austausch und zur Organisation der Praxis treffen könnten. Die regionale Verankerung der seniorTrainer wird eine wichtige Aufgabe für das Gesamtprogramm darstellen.

Die Planung des Rahmencurriculums folgt dem Kerngedanken, dass das Lernen in den Kursen in enger Verbindung mit und im Hinblick auf antizipierte Verwendungssituationen erfolgen soll, gesellschaftliche Bedarfe und individuelle Entwicklung also verschränkt werden. Methodisch kann dies dadurch geschehen, dass möglichst alle zu vermittelnden Inhalte auf geplante Tätigkeiten und Vorhaben der seniorTrainer ("Projekte") bezogen werden. Grundsätzlich ist das Programm so angelegt, dass die angehenden seniorTrainer die eigentlich Verantwortlichen für ihren Lernprozess sind.

Die Fortbildungsangebote müssen handlungsorientiert angelegt sein und die gewünschte Praxis der seniorTrainer vorbereiten und teilweise begleiten. Konzeptionelle und theoretische Auseinandersetzungen sollen in den Dienst der praktischen Vorhaben (Projekte) gestellt werden und eine Reflexion dieser Praxis ermöglichen. In diesem Sinne stellen die zu bildenden Lerngruppen selbst einen intensiv zu nutzenden Rahmen für die angestrebten Lernprozesse dar: Gruppendynamische Einsichten, Fragen der Zielfindung, der Selbstpräsentation, der Kommunikation, Kooperation und Vernetzung sollen mit engem Bezug auf die Entwicklung der bei den überörtlichen Trägern aufzubauenden Lerngruppe bearbeitet werden.

Die Konzentration auf individuelle Projektvorhaben als zentrale Bezugspunkte der Fortbildung entspricht vermutlich nicht nur dem Mitgestaltungswunsch der Teilnehmer, sondern stellt auch die Antizipation der anzustrebenden Verschränkung von Bedarfen und Interessen mehrerer Akteure dar: Welche Interessen verfolgt der seniorTrainer? Welche Bedarfe zeichnen sich vor Ort bzw. in der Region ab oder werden von relevanten Institutionen artikuliert? Was brauchen die Initiativen und Projekte?

Die Fortbildung unterstützt die Teilnehmer bei der Entwicklung und Klärung dieser Fragen und verbindet damit das Angebot, eine Vielzahl methodischer (und didaktischer) Arbeitsformen kennenzulernen. Es soll transparent und erlebbar gemacht werden, wie sich wichtige Themen und Inhalte mit modernen Methoden der Erwachsenenbildung, Gruppenarbeit, Moderation oder des Managements bearbeiten lassen. Angestrebt wird, dass zunächst womöglich noch ungewohnte Zugänge erprobt, mit Blick auf eigene und fremde Fragestellungen angewandt und erst dann auf ihre Eignung hin gemeinsam bewertet werden.

Es wäre günstig, wenn die Teilnehmer schon im Rahmen der Fortbildung - wann immer möglich - Erfahrungen in Rollen machen können, die sie für ihre Tätigkeit als seniorTrainer anstreben: Sie können beraten, vermitteln, Feed-back geben, Projekte planen, Einschätzungen vornehmen, aber unbedingt auch korrespondierende Rollen erproben wie Beratung annehmen, Feedback empfangen, Ideen und Vorschläge von anderen Teilnehmern bewerten lassen. Dieser stete Wechsel der Perspektiven und Arbeitsformen kann ermöglichen, dass eine offene und konstruktive Arbeitsatmosphäre entsteht, die auch die Thematisierung von Aspekten wie persönliche Ausstrahlung, kommunikative Stile oder Kooperationsverhalten erlaubt.

Hintergründig formuliert das Rahmencurriculum fortwährend die Aufgabe, die seniorTrainer bei Selbstvergewisserungsprozessen und bei der Rollenfindung zu unterstützen: Sie sind Engagierte und Fachleute, die aber ihre mitgebrachten Fähigkeiten und Erfahrungen in veränderte Praxiszusammenhänge einbringen, die Aufgaben der Begleitung, Beratung, Initiierung oder Wissens- und Kompetenzvermittlung übernehmen sollen. Dazu bedarf es einer Profilbildung, die eigene Stärken, Interessen und Vorlieben akzentuiert, aber auch der Bereitschaft, eine neue Rolle zu entwickeln, für die weder klassische ehrenamtliche Engagementformen noch Modelle beruflicher Tätigkeit verbindliche Maßstäbe setzen können. Ein weiter Spannungsbogen tut sich auf von einem Einstieg, der an berufliche oder ehrenamtliche Erfahrungen anknüpft bis zum Abschluss der Fortbildung, bei dem die seniorTrainer ihr spezifisches Angebotsprofil "veröffentlichen". Der Fortbildungsleitung muss deutlich sein, dass dieser Selbstvergewisserungsprozess ohne häufige Wechsel von Rollen und Perspektiven nicht ermöglicht werden kann.

Die vollständige Fassung des Curriculums finden Sie im Internet unter: http://www.seniortrainer.de/

 

 

Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz

4. Das "EFI-Projekt" in der wissenschaftlichen Diskussion

- ausgewählte Aspekte

 

In der Phase der Konzeptionsentwicklung des "EFI-Programmes" hat am 01.12.2000 eine Expertenrunde verschiedenste Aspekte zu seiner möglichen Bedeutung und Konkretisierung ausführlich diskutiert. Im folgenden werden mit Auszügen aus dem Protokoll einige ausgewählte Thesen dieser Runde nachgezeichnet.

4.1. Die Klärung der neuen Rolle Älterer ist eine derzeit weltweit diskutierte Frage

Die historische Analyse der Altersrollen verdeutlicht, dass die jeweils speziellen gesellschaftlichen Erwartungen an ältere Menschen nur auf dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen zu verstehen sind: Es scheint, als definiere jede "Zeit" ihre eigenen Vorstellungen darüber, was die Alten zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beizutragen vermöchten. So ergibt sich nun die Frage, welche Rolle(n) den Alten im Hinblick auf zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen zugedacht werden könnte(n) und welche Funktion dabei dem Erfahrungswissen Älterer (hier weitgefasst nicht nur als berufliches Erfahrungswissen, sondern als "Lebenserfahrungswissen") zukomme. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass dies eine Frage mit "Weltbedeutung" sei, um deren Beantwortung sich derzeit auch außereuropäische Staaten aktiv bemühten (Verweis auf ein Treffen afrikanischer Staaten auf Ministerebene und Beratungen zwischen England und China über kulturelle Mitwirkungsmöglichkeiten der älteren Bürger).

4.2 Hierzulande suchen die Älteren ihre neue Rolle selbst zu definieren

Die an Zahl zunehmenden unterschiedlichsten selbstorganisierten Initiativen Älterer sind als Versuche zu verstehen, sich mit der Situation einer "rollenlosen Rolle der Älteren" auseinander zu setzen. Sie sind zu deuten als Prozesse der Selbstsozialisation, als Reaktion auf die Verunsicherungen des Alters, auf das Erleben von Brüchen. Diese Auseinandersetzung mit gesellschaftlich bedingten Umbrüchen - wie etwa die Erfahrungen des vorzeitigen Ruhestandes - steht kommenden Generationen in noch ganz anderem Ausmaß bevor. Insofern seien neue reflexive Strukturen zu schaffen, die auch den nachwachsenden Generationen bei der Auseinandersetzung mit den rapiden gesellschaftlichen Wandlungsprozessen nützlich sein könnten.

4.3 Reflektierte Lebenserfahrungen werden - individuell und gesellschaftlich - gebraucht

Sowohl im Eingangsvortrag von Prof. Dr. Rosenmayr als auch in der anschließenden Diskussion wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Erfahrungswissen Älterer (im weitesten Sinne) und einer gesamtgesellschaftlich positiven Entwicklung nachgezeichnet. Die Älteren und Alten selbst brauchen - so die Argumentation - ihr reflektiertes und aktualisiertes Erfahrungswissen, um mit den Aufgaben der Lebensgestaltung unter den heutigen komplizierten gesellschaftlichen Bedingungen und bei reduzierten finanziellen Ressourcen überhaupt zurande zu kommen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Bevölkerungsanteil der über 60-jährigen in Zukunft auf ein Drittel ansteige, sei die Frage nach den Lebensgestaltungschancen der Älteren von nicht zu unterschätzender gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Gleichzeitig sei ein effektives (nicht nur "gutgemeintes") Engagement Älterer in sozialen "Zwischen-Bereichen" immer dringlicher, und auch hier spielt Erfahrungswissen der Älteren eine bedeutende Rolle.

4.4 Das "EFI -Programm" - ein Angebot zur Rollenklärung und Rollenfindung

Klar wurden auch die Missverständnisse benannt, die mit dem Propagieren einer "neuen Altersrolle" im EFI-Projekt entstehen könnten. Es wurde ausdrücklich betont, dass dieses Projekt nicht einer staatlichen Vor-Strukturierung der Lebensphase Alter dienen solle. Es handele sich um ein Angebot zur Rollenfindung im Alter für diejenigen Älteren, die einen Platz in der Gesellschaft suchen und bereit seien, sich im öffentlichen Raum zu engagieren. Es richtet sich an diejenigen, die sich innerhalb von Bürgerinitiativen und selbstorganisierten Zusammenschlüssen engagierten als auch an den Personenkreis, der solche Gruppen beratend unterstützen wolle.

4.5 Die Gewinnung einer Balance im Verhältnis der Generationen ist ein zentrales Anliegen des Programms

Für das EFI-Programm ist Herstellung einer gesellschaftlichen Balance zwischen Alt und Jung zentrales politisches Anliegen.

In der Diskussion wurden dazu folgende Anmerkungen gemacht:

     

  • Grundsätzlich kann der Beitrag des EFI-Projektes für die Gesellschaft in einer (modellhaften) Förderung der für die gesellschaftliche Balance notwendigen Dialog-Kultur zwischen Jung und Alt gesehen werden.
  • Der Beitrag des EFI-Projektes zur gesellschaftlichen Balance zwischen Jung und Alt wird darin gesehen, dass die dadurch vermittelten Rollenoptionen für Ältere sowohl Selbst- als auch Mitverantwortlichkeit der Älteren fördern. Die Umsetzung dieses Anliegens findet auf den verschiedenen Projektebenen statt: Bei der Selbstreflexion der seniorTrainer und deren Auseinandersetzung mit ihrem Erfahrungswissen, bei der Beratung von Initiativen, die oftmals nicht altershomogen zusammengesetzt sind, im gemeinsamen Lernprozess der angehenden seniorTrainer und der meist jüngeren Professionellen.
  • Zudem wird dadurch der jüngeren Generation die Chance gegeben, die Lebenswelten älterer Menschen kennen zu lernen und zu verstehen. Das gezielte Bemühen um eine Verständigung zwischen den Generationen kann als Grundlage für die Entwicklung von Generationen-Solidarität gesehen werden. Es ist eine Zukunftsaufgabe.

4.6 Bei engagierten Älteren besteht ein großer Lern- und Unterstützungsbedarf

Das EFI-Programm ist insofern ein nachfrageorientiertes Programm, als es die verschiedenen Bedarfslagen unterschiedlicher Gruppen berücksichtigen will. Es soll auf einen inzwischen auch in Untersuchungen nachgewiesenen Lernbedarf reagieren. Dieser entstehe z.B. dann, wenn die Fähigkeiten zur Umsetzung einer sozialen Idee fehlten. Viele Ältere seien zwar hochmotiviert, aber unerfahren in Bezug auf die Umsetzung ihrer Projektideen. Irritationen entstünden vor allem innerhalb von Gruppen, in denen sich zuweilen eine (zum Teil konflikthafte) Eigendynamik entwickelt, die der Einzelne nicht mehr übersehen und nicht mehr steuern könne. Diese Personen litten darunter, wenn ihr Engagement ins Leere laufe. Für sie besteht vielfach keine Möglichkeit zu erfahren, warum ihre Initiative nicht zu dem von ihnen erhofften Erfolg führt. Hier will das EFI -Projekt ansetzen: Die qualifizierten seniorTrainer könnten ihre Unterstützung beim Aufspüren der Fehlerquellen anbieten, bei weiteren Planungen zur Seite stehen, den Gruppenprozess moderieren und bei Problemlösungsprozessen behilflich sein.

4.7. Das EFI -Programm bringt verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft Nutzen

Zur Frage nach den Nutznießern des Projektes wurden verschiedene Aspekte genannt: Es zeigte sich eine Ausdifferenzierung der Nutzer und damit ein relativ "breiter" Nutzen an. Der mögliche Nutzen des EFI -Programms soll sich auf drei Ebenen abzeichnen:

a) Nutzen für die Bürgerinitiativen/ selbstorganisierten Zusammenschlüsse/ Ehrenamtliche

b) Nutzen für den seniorTrainer selbst

c) Nutzen für die Gesellschaft durch "neue Rolle(n) der Alten"

zu a) Hier liegt der Nutzen u.a. in einer Aufwertung der Initiativen, in ihrer Unterstützung im Hinblick auf Reflexivität, Selbstorganisationsfähigkeit und erfolgreiches Engagement, im Hinblick auf einen gelingenden Dialog zwischen Alt und Jung und eine verstärkte Solidarität.

zu b) Hier kann Nutzen gesehen werden in der Option gesellschaftlicher Anerkennung und Rollenerwartung im Alter, in der Einübung von Reflexivität (die auch der eigenen Lebensgestaltung dient, dem Fertigwerden damit, dass berufliches Know-how "nicht mehr gefragt" ist) wie auch in einer Kompetenzerweiterung im Hinblick auf die beratende Arbeit mit Gruppen Erwachsener.

zu c) Gesellschaftlicher Nutzen ergibt sich daraus, dass die Ressourcen der Älteren zur eigenen Lebensgestaltung und zur Bewältigung von sozialen Engpässen ausgeschöpft werden. Die durch das EFI -Programm geförderte Reflexivität und Dialogfähigkeit der Älteren kann Motor zu einem gesamtgesellschaftlichen Dialog verschiedenster Gruppierungen und Generationen sein.

Abschließend wurde in der Diskussionsrunde angemerkt, dass das EFI -Projekt als ein wichtiger Mosaikstein beim Bemühen um gesellschaftliche Balance angesehen werden könne, dass es aber weiterer Maßnahmen bedürfe, um eine solche Balance nachhaltig zu fördern.

4.8 EFI bietet engagierten Älteren die notwendige Fortbildung und Begleitung

Mit dem EFI -Projekt soll eine Angebotslücke in der Fortbildung von Ehrenamtlichen geschlossen werden. Verwiesen wurde auf Ergebnisse des Ehrenamt-Surveys, denen zufolge Ehrenamtliche zu 50 % weder Informationen noch Zugang zu Weiterbildung hätten. Das Fortbildungsprogramm zum seniorTrainer könnte diesem eklatanten Missstand abhelfen.

 

Ausführliche Informationen finden Sie im Internet unter:

http://www.efi-programm.de/ oder http://www.seniortrainer.de/

http://www.bmfsfj.de/

Die Eröffnungstagung findet vom 8. bis 10. Juli 2002 in Potsdam statt.

 

 

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