Pflege zu Hause

Die Pflegeversicherung gibt häuslicher und ambulanter Pflege den Vorzug vor stationärer Pflege. Daher zielen die Beratung und die Leistungen darauf, dass die Pflege möglichst lange zu Hause erfolgt. Häufig entspricht dies auch insbesondere dem Wunsch der Pflegebedürftigen und auch Pflegepersonen.

Vom Schweregrad der Pflegebedürftigkeit hängt es ab, wie zeitintensiv und anspruchsvoll die Pflege eines Angehörigen ist. Bei der Überlegung, diese zu übernehmen, sollte bedacht werden, dass sich der gewohnte Alltag deutlich verändern kann. Als privat pflegende Person sollte man sich also umfassend mit den eigenen Pflichten, Möglichkeiten und Ansprüchen vertraut machen – auch mit Hilfe einer Pflegeberatung.

Pflegebedürftige haben im Rahmen der häuslichen Versorgung Anspruch auf Pflegegeld (zur freien Verfügung) und/oder Pflegesachleistungen (d.h. Hilfe von ambulanten Pflegediensten oder Einzelpflegekräften). Umfassende Informationen und eine tabellarische Übersicht zu den Änderungen bei den Leistungen im Zuge der Pflegestärkungsgesetze I und II erhalten Sie auf der Internetseite www.pflegestaerkungsgesetz.de des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Pflegegeld und Pflegesachleistungen.

Pflegezeit, Familienpflegezeit und Aufgabe des Berufs

Wenn Familie, die Pflege eines Angehörigen und die eigene Berufstätigkeit – ob kurz- oder langfristig – miteinander vereinbart werden müssen, können Pflegezeit und/oder Familienpflegezeit in Anspruch genommen werden.

Ausführliche Informationen zu diesen Möglichkeiten erhalten Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen uns Jugend unter www.wege-zur-pflege.de, der Verbraucherzentrale und in dem „Ratgeber zur Pflege" (2016) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).

Wer überlegt, seinen Beruf für die Pflege eines nahen Angehörigen ganz aufzugeben, sollte sich von der Agentur für Arbeit beraten lassen, bevor er kündigt. Denn eine eigene Kündigung könnte sich nachteilig auf den Anspruch auf Arbeitslosengeld und auf die Krankenversicherung auswirken.

Versicherungen während der Pflegetätigkeit

Informationen zur sozialen Absicherung für pflegende Angehörige erhalten sie auf der Internetseite www.pflegestaerkungsgesetz.de des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Informieren Sie sich rechtzeitig und umfassend über Veränderungen bei den Voraussetzungen für eine Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung.

Unterstützungs- und Hilfsangebote

Alternativ zur Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst können Mobile Hilfsdienste – auch Mobile Soziale Dienste genannt – engagiert werden, wenn es nur um die hauswirtschaftliche Versorgung geht. Sie helfen im Alltag, unterstützen beim Einkaufen oder beim Arztbesuch. Zumeist werden sie stundenweise für ihre Dienste bezahlt.

Zudem gibt es in einigen Kommunen sogenannte Pflegebegleiter, die pflegende Angehörige ehrenamtlich unterstützen und beraten oder ihnen eine stundenweise Auszeit von der Pflege ermöglichen.

Weiterhin kann eine Tages- oder Nachtpflege als teilstationäre Versorgungsmöglichkeit in Anspruch genommen werden. Entlastung für die Pflegeperson bieten außerdem – sowohl alleine als auch in Kombination – Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege. Bei der Auswahl einer Einrichtung ist immer auf die Qualität zu achten.

Da die Pflege eines Menschen eine entsprechende Sachkenntnis erfordert, ermöglichen die Pflegekassen pflegenden Angehörigen, an kostenlosen Schulungen teilzunehmen. Vermittelt werden z.B. praxisnahe medizinische Kenntnisse und Informationen zur Körperpflege sowie zur eigenen Gesunderhaltung. Diese Kurse bieten den pflegenden Angehörigen zudem die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegenden. Angeboten werden solche Kurse von den Wohlfahrtsverbänden, den Volkshochschulen oder Nachbarschaftshilfen. Kann der pflegebedürftige Angehörige nicht allein gelassen werden, kann der Kurs auch in der häuslichen Umgebung durchgeführt werden.

Eine kurze Übersicht mit Tipps zum einfühlsamen Umgang mit Menschen mit Demenz bieten die  
"10 Verhaltensregeln, die eine Verständigung mit Menschen mit Demenz erleichtern" aus dem CASA REHA Seniorenmagazin "Von Mensch zu Mensch" (2013, Ausgabe 3).

Im Rahmen des Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) bekommen Pflegebedürftige aller Pflegegrade, die zu Hause gepflegt werden, ab 2017 einen einheitlichen Entlastungsbetrag zur Finanzierung von zusätzlichen Unterstützungsangeboten. Dieser wird zusätzlich zu den anderen Leistungen bei häuslicher Pflege durch die Pflegeversicherung gestattet.

Umbaumaßnahmen und (Pflege)hilfsmittel

Auch die Wohnung und ihre Gegebenheiten spielen bei der häuslichen Pflege eine wichtige Rolle. Oftmals können diese entscheidend dafür sein, ob jemand überhaupt zu Hause gepflegt werden kann. Eine alter(n)sgerechte Wohnung z.B. durch bauliche Anpassungen sorgt für Lebensqualität bei den Betroffenen und kann Pflege erleichtern.

Zusätzlich unterstützend wirken können auch Pflegehilfsmittel und Hilfsmittel. Pflegehilfsmittel werden von der Pflegeversicherung gestattet. Sie sollen die häusliche Pflege erleichtern und dazu beitragen, Beschwerden der Pflegebedürftigen zu lindern und deren selbstständige Lebensführung zu fördern. Nach § 33 Abs.1 SGB V werden als Hilfsmittel von den Krankenkassen bewegliche Gegenstände anerkannt, die für eine erfolgreiche Behandlung des Versicherten erforderlich sind, einer Behinderung vorbeugen, eine Behinderung ausgleichen oder Pflegebedürftigkeit verhindern.

Auf der Internetseite www.verbraucherzentrale.de finden Sie ausführliche Informationen dazu, welche Kosten von der Krankenkasse übernommen werden, wo der Unterschied zwischen Hilfs- und Pflegehilfsmitteln liegt, wie Hilfsmittel beantragt werden müssen und was bei einer ablehnenden Entscheidung der Krankenkasse zu tun ist.

Der GKV-Spitzenverband hat eine Onlineversion des Hilfsmittelverzeichnisses und Pflegehilfsmittelverzeichnisses nach § 139 SGB V entwickelt. Mit Hilfe des Verzeichnisses können technische Angaben, Qualitätsanforderungen, Detailinfos zu den jeweiligen Produktgruppen, Erläuterungen zu den verschiedenen Anwendungsgebieten sowie die jeweiligen einzelnen Hilfsmittel einer Produktart abgerufen werden.

Alternative (Pflege-)Wohnformen

Ab 2017 erhalten auch Pflegebedürftige im neuen Pflegegrad 1 mit dem Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) eine Anschubfinanzierung für die Gründung einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft und bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen einen monatlichen Wohngruppenzuschlag. Nähere Informationen und eine tabellarische Übersicht zu den Änderungen bei diesen Leistungen finden Sie auf der Internetseite www.pflegestaerkungsgesetz.de des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).