10 Tipps gegen Einsamkeit im Alter

Als der 90-jährige Brite Derek Taylor innerhalb kurzer Zeit sowohl seine Partnerin als auch seine Schwester und damit seine wichtigsten Bezugspersonen verlor, fühlte er sich plötzlich einsam. Damit wollte er sich nicht abfinden.

Derek Taylor entwickelte 10 Tipps gegen Einsamkeit. Diese Tipps schickte er ans Rathaus seiner Heimatstadt Manchester. Die Stadt ließ seine Ratschläge auf Flugblätter drucken und verteilen. Auch die BBC, Großbritanniens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, war so beeindruckt, dass sie einen kurzen TV-Beitrag über seine Initiative drehte.

Da es auch in Deutschland vielen Menschen wie Derek Taylor ergeht, stellen wir seine Ratschläge hier in Übersetzung vor:

  1. „Bemühen Sie sich, neue Freunde zu finden.“
  2. „Treten Sie einem Verein bei.“
  3. „Besuchen Sie das Rathaus, das Gemeindezentrum oder andere Einrichtungen des Gemeinwesens, um herauszufinden, was angeboten wird.“ 
  4. „Erlernen Sie die Verwendung eines Computers, z.B. in ihrer Bibliothek.“
  5. „Bitten Sie Ihre lokalen Sozialdienste um Hilfe.“
  6. „Erwägen Sie, einen Untermieter oder zahlenden Gast aufzunehmen.“
  7. „Verwenden Sie Ihr Telefon häufiger, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Warten Sie nicht darauf, dass andere sich bei Ihnen melden.“
  8. „Rufen Sie Freunde und Verwandte an, mit denen Sie seit längerer Zeit nicht gesprochen haben.“
  9. „Freunden Sie sich mit Ihren Nachbarn an.“
  10. „Leisten Sie freiwillige Arbeit, wenn Sie können.“

Derek Taylor befolgte seine eigenen Tipps. Bei Kaffeetreffen lernte er neue Freunde kennen. Mit ihnen gemeinsam engagiert er sich ehrenamtlich, beispielsweise für mehr Grün in seiner Stadt.

Natürlich gibt es auch in Deutschland zahlreiche Initiativen gegen Einsamkeit – gegründet von Betroffenen oder von engagierten Menschen, die Betroffenen helfen möchten. Genau diese Initiativen suchen wir.

Bewerben Sie sich noch bis zum 7. Dezember 2018 bei unserem Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam“. Informationen zum Wettbewerb, die ausführlichen Teilnahmebedingungen sowie das Bewerbungsformular finden Sie hier: www.bagso.de/einsam-zweisam-gemeinsam

Quellen:



Europäische Initiativen gegen Einsamkeit im Alter

Einsame ältere Menschen gibt es nicht nur in Deutschland. Es gibt sie in aller Welt. Entsprechend bilden sich rund um den Globus Initiativen, die gegen dieses gesellschaftliche Phänomen angehen. Wir stellen einige interessante Projekte aus unseren europäischen Nachbarländern vor.

Großbritannien hat seit Anfang des Jahres 2018 ein Ministerium für Einsamkeit. Genauer gesagt: ein Ministerium für Kultur, Medien und Sport, das erweitert wurde und sich nun explizit um die 9 Millionen Bürgerinnen und Bürger kümmern soll, die sich häufig einsam fühlen. Nicht wenige davon sind ältere Menschen, die durch bestimmte Lebensrisiken in einen Zustand der Isolation geraten sind: Verlust der Partnerin/des Partners, nachlassende körperliche Mobilität, zunehmende Wohnentfernung zu Kindern und Enkelkindern etc. "Etwa 200.000 Senioren hätten höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten", berichtet ZEIT ONLINE über diese "Epidemie im Verborgenen". Als vornehmliche Aufgabe hat das Ministerium die objektive Messung der Einsamkeit übernommen – um sie anschließend effektiv zu bekämpfen. Aber allein schon durch die „Beförderung“ der Einsamkeit auf die ministerielle Ebene hat die britische Regierung viel Aufmerksamkeit für das Problem erzeugt.

Frankreich hat bereits 2013 eine Kampagne gegen Alterseinsamkeit durchgeführt und unter dem Namen MONALISA institutionalisiert. Eine gute Übersicht über die Aktivitäten bietet die Webseite https://www.monalisa-asso.fr. Besucher finden dort u. a. eine interaktive Karte, über die sie in Kontakt zu Initiativen gegen Einsamkeit in ihrer Nähe kommen können. Das Hilfsangebot ist denkbar bunt: Besuchs-, Begleit- und Fahrdienste, Senioren-Cafés, Wohngemeinschaften, IT-Beratung, Gemeinschaftsküchen usw. Aber MONALISA unterstützt nicht nur die von Einsamkeit Betroffenen, sondern auch die Helfer, beispielsweise durch Fortbildungsangebote und die Werbung weiterer Unterstützerinnen und Unterstützer.

Die Niederlande haben 2015 mit Actief Plus ein Bewegungsprogramm für ältere Menschen auf die Beine gestellt, das ganz nebenbei auch soziale Isolation bekämpft. Ältere Menschen mehrerer Gemeinden der Provinz Limburg erhielten eine Einladung zu einem niedrigschwelligen Präventionsangebot. Im ersten Schritt erfasste ein Team der Offenen Universität Heerlen das Bewegungs- und. Kontaktverhalten der Teilnehmenden. Anschließend entwickelte  es maßgeschneiderte Handreichungen inkl. Kontakt zu lokalen Sport- und Bewegungsangeboten und individuellem Coaching. Das Konzept ging auf: In Kerkrade haben sich nach der Eröffnungsveranstaltung im Januar 2018 rund 100 Personen für die Teilnahme am Programm angemeldet.

Einsamkeit darf nicht als persönliches Problem gesehen werden, mit dem jede/r Einzelne allein klar kommen muss. Im Gegenteil. Einsamkeit ist ein weltweites gesellschaftliches Phänomen. Daher verdienen Initiativen engagierter Menschen höchsten Respekt und institutionelle Unterstützung. Mehr noch: Ihre erfolgreichen Ideen müssen bekannt gemacht werden, um andernorts kopiert werden zu können.

Auch deshalb veranstaltet die BAGSO derzeit den Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ für Initiativen, die sich gegen Einsamkeit und für die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen engagieren. Wir möchten ihre Ideen und Konzepte kennenlernen und einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen.

Bewerbungen sind bis zum 7. Dezember 2018 möglich. Informationen zum Wettbewerb, die ausführlichen Teilnahmebedingungen sowie das Bewerbungsformular finden Sie hier:

www.bagso.de/einsam-zweisam-gemeinsam

Quellen und weitere Links:


Einsamkeit im Alter – ein kurzer Überblick

Entgegen häufiger Befürchtungen steht es gut um die soziale Eingebundenheit der Menschen in der zweiten Lebenshälfte in Deutschland. Die Generation 65 plus ist so aktiv wie nie, sie engagieren sich häufig ehrenamtlich und um ihre Gesundheit steht es auch ganz gut. Auch wenn traditionelle Formen von Partnerschaften, wie die Ehe, zwischen 1996 und 2014 generell abgenommen haben, teilen die allermeisten ihr Leben mit einer Partnerin oder einem Partner. Und sie tun dies immer häufiger auch bis ins hohe Alter. Soweit das unterm Strich positive Resümee des Deutschen Alterssurveys 2014. Die Statistik darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch viele ältere Menschen gibt, die einsam sind.

Doch was ist eigentlich Einsamkeit? Dr. Oliver Huxhold vom Deutschen Zentrum für Altersfragen erklärt es so: „Einsamkeit ist das Gefühl, das entsteht, wenn meine objektiv vorhandenen sozialen Beziehungen nicht meine sozialen Bedürfnisse erfüllen.“ Rund 9% der 40-bis 85-jährigen in Deutschland sind betroffen.

Einsamkeit kann jeden treffen. Trotzdem lassen sich einige Risikofaktoren für ältere Menschen ganz klar benennen, wie z.B.:

  • Ausscheiden aus dem Berufsleben;
  • zunehmende Wohnentfernung der Kinder und Enkel;
  • gesundheitliche Einbußen;
  • Mangel an Mobilitätsangeboten;
  • Tod von Freunden und Bekannten;
  • Tod der Partnerin/des Partners.

Längst haben die Medien dieses wichtige Thema entdeckt. So stellte das ARD Morgenmagazin im Rahmen ihrer Themenwoche zur Einsamkeit im März 2018 die 87-jährige Anna Blum vor, die seit dem Tod Ihres Partners 2009 allein lebt. „Mein Tag hat nicht 24 Stunden“, so Frau Blum. „30, 35 hat der bestimmt.“ (Link zum Beitrag in der ARD-Mediathek).

Doch vielerorts gibt es Unterstützung dabei das Problem der sozialen Isolation zu lösen oder zumindest zu lindern. Zahlreiche Gruppen, Vereine und Verbände, aber auch Privatpersonen, bieten Betroffenen Hilfe und Unterstützung an – im Fall von Frau Blum ein Besuchsdienst.

Auch die BAGSO nimmt sich zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dem Thema an und sucht derzeit mit dem Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ solche Initiativen, die sich gegen Einsamkeit und für die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen engagieren.

Quellen und weitere Links:

  • Deutscher Alterssurvey 2014: Zentrale Befunde. Hrsg. vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) – PDF zum Download
  • Informationsdienst altersfragen. Heft 01, Januar / Februar 2014, 41. Jahrgang. Hrsg. vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) – PDF zum Download
  • Ist sich heute jeder selbst der Nächste?Soziale Beziehungen und Einsamkeit im Wandel. Vortrag von Dr. Oliver Huxhold & Anne Böger – PDF zum Download 
  • Statistisches Jahrbuch 2018: Aktiv im Alter. Hrsg. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2018. - PDF zum Download