Europäisches Mobiltiätsprojekt 2016 „Neue Rollen für die Zivilgesellschaft in einer „Caring Community“: Innovative Bildung für mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung im Alter“

Seminarraum mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Das über das EU Programm ERASMUS+ geförderte Bildungsprojekt der BAGSO beleuchtet die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung international verankerter Rechte älterer Menschen. Ziel und Ausgangspunkt des Projektes ist die Förderung von Eigenverantwortung für ein selbstbestimmtes und aktives Leben im Alter durch innovative Bildung für eine werteorientierte Pflege. Im Zentrum des europäischen Projektes der BAGSO standen Mobilitätsaktivitäten für insgesamt 40 Teilnehmende der BAGSO und eines  BAGSO Projektkonsortiums,  die einen Schwerpunkt im Bereich pflegeorientierten Engagements haben und einer Internationalisierung ihrer Bildungsarbeit interessiert sind.

37 Teilnehmende nahmen an zwei jeweils dreitägigen maßgeschneiderten Schulungsprogrammen teil, die von der niederländischen Organisation LOC Zeggenschap in zorg im Oktober 2016 und im April 2017 angeboten wurden. Schulung LOC Zeggenschap.

Ein abschließendes „Jobsharing“ führte drei Experten der BAGSO im Mai 2017 nach Irland zur gastgebenden Organisation SAGE Advocacy &Support Service.

Abschlussbericht (Kurzfassung)

Short report


Die Schulungsprogramme von LOC Zeggenschap in zorg in den Niederlanden

Die Durchführung der 3-tägigen Weiterbildungen finden im südlichen Limburg (Kerkrade/Heerlen) statt.  Sie richten sich an Teilnehmerinnen und Teilnehmer des BAGSO-Projektkonsortiums, die vor dem Hintergrund neuer Rollen und Bildungsbedarfe von Freiwilligen in der Pflege am Aufbau eines internationalen Verständnisses werteorientierter Bildungskonzepte interessiert sind.

Die Teilnehmenden werden die LOC „Vision einer werteorientierten Pflege“ kennenlernen und ausgewählte Bildungs- und Beratungskonzepte, -methoden und -instrumente für Freiwillige in der Pflege kennenlernen und erproben:

  • Der „Zorgleefplan“ (LOC), ein „Pflegeplan des Lebens“, ist ein Bildungs- und Planungsinstrument für die individuelle Arbeit mit älteren Menschen für ein aktives Leben im Alter. Es wird von Klientenräten, aber auch einzelnen Personen, der Familie, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder dem Pflegepersonal eingesetzt und erfasst alle Aspekte des Lebens.
  • Das „Küchentischgespräch“ ist ein neues Instrument in den Niederlanden zur Erfassung der sozialen Bedürfnisse hilfesuchender Älterer im „Gespräch“. Diese Methode wird von den Kommunen eingesetzt und dabei auch die mögliche Einbeziehung familiärer und sozialer Netzwerke erörtert. Daher werden diese, wie auch „Klientenräte“ häufig in das Gespräch eingebunden.

In interaktiven Workshops, Projekt- und Studienbesuchen lernen die Teilnehmenden regionale und lokale Strukturen, Organisationen/Interessenvertretungen sowie freiwillig für ältere Menschen in Pflegesituationen engagierte Akteure kennen, mit denen LOC in Limburg zusammenarbeitet. Dabei handelt es sich um:

  • Öffentliche Institutionen, die für die Koordinierung von Selbsthilfe und Patientenmitwirkung zuständig sind (z.B. „Huis voor de Zorg“)
  • Seniorenplattformen und -verbände wie der Platform Allochtone Zorgvragers (PAZ), eine Klientenorganisation für Migranten in Limburg und die Platform Mantelzorgers Limburg (PLM), eine Plattform/Interessenvertretung für pflegende Angehörige in der Provinz Limburg)
  • Freiwillig engagierte Klientenräte von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen/im Rahmen der häuslichen Pflege sowie ehrenamtliche Mitarbeiter von LOC in der Provinz Limburg
  • Pflegeeinrichtungen (wie z. B. ein Pflege-Bauernhof)

Die Organisationen LOC und ausgewählte LOC Bildungsmethoden

LOC-Broschüre: „Valuable Care“

Broschüre: Wat doe ik met mijn tijd? – (Was mache ich mit meiner Zeit?)

Diese Broschüre enthält Hilfsmittel / Methoden zur persönlichen Zeitplanung für Menschen, die Tagespflege benötigen.

Broschüre: Wat wil ik met mijn leven? - (Was möchte ich mit meinem Leben?)
Broschüre: Uw eigen leefplan - (Ihr eigenes Leben planen)

Beide Broschuren enthalten Bildungs- und Planungsinstrumente für die individuelle Arbeit mit (älteren) Menschen. Sie werden von Klientenräten, aber auch einzelnen Personen, der Familie, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder dem Pflegepersonal eingesetzt und erfassen alle Aspekte des Lebens.

Broschüre: Het Keukentafelgesprek – (Das Küchentischgespräch)

Das „Küchentischgespräch“ ist ein Instrument in den Niederlanden zur Erfassung der sozialen Bedürfnisse hilfesuchender (altere) Menschen im „Gespräch“. Diese Methode wird von den Kommunen eingesetzt und dabei auch die mögliche Einbeziehung familiärer und sozialer Netzwerke erörtert. Daher werden diese in das Gespräch eingebunden.


Die niederländische Organisation LOC Zeggenschap in zorg

Die niederländische Organisation LOC ist die größte niederländische Organisation für sog. „Klientenräte“, die in Pflegeheimen und in der häuslichen Versorgung ehrenamtlich für die Gesundheit und Autonomie für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf aktiv sind. LOC fördert die Arbeit von mehr als 1.300 angeschlossenen Klientenräten, die etwa 600.000 Pflegebedürftige repräsentieren. LOC ist seit vielen Jahren sehr erfolgreich in der Entwicklung und Umsetzung von innovativen Bildungsmethoden für Freiwillige in der Pflege. In der Provinz Limburg koordiniert und durchgeführt wird das Programm von José Broers, einer langjährig erfahrenen LOC-Referentin.

Programmablauf der ersten LOC-Schulung

Programmablauf der zweiten LOC-Schulung

Informationen aus dem Projekt



Jobsharing bei der irischen Organisation SAGE – Support & Advocacy Service

Unter dem Dach von Third Age treibt SAGE den Aufbau unabhängiger Beratungs- und Unterstützungsstrukturen (support and advocacy services) mit an den Rechten älterer Menschen orientierten Qualitätsstandards in Irland voran. Die gastgebende Organisation SAGE mit Geschäftsstelle in Dublin ermöglichte einen intensiven Austausch mit wichtigen Personen der irischen Seniorenpolitik und die Beteiligung an internen wie externen Meetings sowie einem Gedankenaustausch mit einer Senatorin im irischen Parlament in Dublin. Vorgestellt wurden u.a.:

Besonders überzeugend für die Gäste aus Deutschland: die „Kraft von Gesetzen“ für die Durchsetzung der Rechte älterer Menschen auf Selbstbestimmung und der hilfreiche Einsatz neuer verbaler und nonverbaler Kommunikationsformen für Menschen z.B. mit einer Demenzerkrankung – entwickelt von SAGE in Umsetzung der neuen irischen Gesetzgebung zur assistierten Entscheidungsfindung (The Assisted Decision Making (Capacity) Act 2015).

Informelle Treffen und Ausflüge rundeten das Programm ab.