Heide Quandt

Aktiv älter werden - mit Seniorentanz

Tanz, rhythmische Bewegung nach Musik hat Einfluss auf die körperliche, geistige und seelische Befindlichkeit des Menschen. Im Tanz lassen sich Gefühle wie Freude und Trauer ausdrücken und verarbeiten. Beim Tanzen kann man Schmerzen vergessen. Bewegungen können mit Hilfe der Musik ausgeführt werden, obwohl der Mensch sich vorher nicht mehr dazu in der Lage glaubte.

Dieser positive Einfluss des Tanzens muss auch für die Aktivierung im Alter genutzt werden. Lange Zeit war das Tanzen für Laien in unserer Gesellschaft nur denjenigen vorbehalten, die einen Tanzpartner hatten. Seit mehr als dreißig Jahren ist das anders: Seniorentanz gibt allen älteren Menschen die Möglichkeit, den eigenen körperlichen Fähigkeiten entsprechend, sich rhythmisch nach Musik zu bewegen.

Wenn wir von älteren Menschen sprechen, muss heute differenziert werden: Zunächst ist da die bewegliche, aktive Gruppe "50plus", frei von Kindererziehung und immer mehr befreit von beruflichen Verpflichtungen. Viele, vor allem Frauen in diesem Alter, haben für den Gesellschaftstanz keinen Partner. Seniorentanz bietet dieser Zielgruppe eine Vielfalt von einfacheren bis zu sehr anspruchsvollen Gruppentänzen.

Schnelle Drehungen, Sprünge, Stampfen und andere Bewegungen, die den körperlichen Gegebenheiten des älter werdenden Menschen nicht zuträglich sind, wurden aus den Choreografien herausgenommen. Neben dem körperlichen und geistigen Training in den Tanzgruppen (Lernen der Tanzschritte und Figurenfolgen) gibt es einen weiteren wichtigen sozialen Faktor. Durch die ständigen Wechsel der Partner/innen während eines Tanzes kommen alle miteinander in Kontakt. Da man sich in der Gruppe schnell untereinander kennen lernt, ergeben sich neben dem geselligen Tanzen auch Möglichkeiten zu anderen Aktivitäten wie Wandern, Reisen, Einladungen u. a.

Für die zweite Gruppe, die nicht mehr so mobilen Seniorinnen und Senioren, gibt es viele einfache Tänze, die durch die unterschiedlichen Musiken aus der internationalen Folklore oder dem Gesellschaftstanz Freude machen, die eigene Bewegungsfähigkeit fördern und Erfolgserlebnisse schaffen. Im fröhlichen Miteinander in der Gruppe wird jede/r nach persönlichen Möglichkeiten aktiviert und getragen. Anregung des Kreislaufs, Stärkung von Kondition und Ausdauer werden unmerklich erreicht. Wesentliche Bedeutung erhält bei dieser Gruppe auch das "Tanzen im Sitzen". Hier werden gezielt, aber spielerisch Konzentration und Koordination trainiert.

Für die dritte Gruppe, die Hochbetagten und Behinderten, die in ihren Bewegungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind, gibt es im Seniorentanz ein vielfältiges Angebot im Bereich "Tanzen im Sitzen". Tänze auf gymnastischer Grundlage erhalten die Beweglichkeit von Gelenken und Muskeln.

So genannte Thementänze stellen das Tanzen in einen Themenzusammenhang (z.B. "Ruderpartie", "Kuchenbacken"). Bewegungen aus dem Alltag werden aufgenommen und können ohne lange Erklärungen ausgeführt werden. Durch die Erinnerung an früher erlebte Situationen, ergeben sich darüber hinaus Gespräche.

Handgeräte, die eingesetzt werden, wie Tücher, Stäbe, Zopfschnüre oder auch Rhythmusinstrumente haben Aufforderungscharakter und erleichtern die vorgegebenen Bewegungen.

Kenntnisse über Krankheitsbilder der Betroffenen und die sich daraus ergebenden hilfreichen Bewegungsabläufe sind hier Voraussetzung. Durch das spielerische Umgehen mit Bewegungen nach Musik wird versucht, alltäglich notwendige Bewegungen zu erhalten oder wieder zu entdecken. Darüber hinaus werden die Teilnehmer/innen durch Gespräche, Lieder und bekannte Texte geistig aktiviert. Fröhlichkeit in der Gruppe ist ein wichtiger Faktor für das allgemeine Wohlbefinden. Bei alten Menschen wird durch diese Bewegungsformen eine ganzheitliche Aktivierung erreicht.

Seniorentanz in seiner großen Vielfalt erhöht die Lebensqualität und ermöglicht menschenwürdiges Altern.

 

Heide Quandt

Bundesverband Seniorentanz

Insterburger Str.25, 28207 Bremen

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