Geistig fit bleiben und gar fitter werden
Die fitten Alten
"Welche der in Deutschland lebenden Personen halten Sie für geistig besonders fit?" Zu dieser Frage ließ die Gesellschaft für Gehirntraining e.V. (GfG) eine repräsentative Untersuchung an 2.000 Deutschen ab 14 Jahren durchführen. Die zwei erstaunlichsten Ergebnisse waren: Zum einen werden nur sehr wenige Personen benannt, zum anderen sind die Genannten meist Senioren. Die Hälfte der Nennungen entfiel auf nur 11 Köpfe. Mit weitem Abstand vor den nächsten teilen sich Gerhard Schröder und Günter Jauch die beiden ersten Rangplätze. Dann folgen Helmut Kohl, Harald Schmidt, Richard von Weizsäcker, Thomas Gottschalk, Helmut Schmidt, Joschka Fischer, Veronika Feldbusch, Peter Ustinov und Stefan Raab. Weitere neun % der Nennungen entfielen auf Edmund Stoiber, Gregor Gysi, Marcel Reich-Ranicki, Inge Meysel und Johannes Rau. Unter den Jungen, Flippigen, Schnellen in Rede und Antwort gelten nur Veronika Feldbusch und Stefan Raab nach Auffassung der Bevölkerung als geistig besonders fit. Die anderen ihres Alters haben keine Chance gegen Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt oder Sir Peter Ustinov. Und diese sind 80 Jahre alt und mehr.
Dass die Hälfte derer, die man für besonders geistig fit hält, 70 Jahre und älter sind, ist eine Überraschung. Denn den Älteren traut man nach einem allgemeinen Vorurteil nicht mehr viel zu. Doch genießen offenbar die Alten die größte Hochachtung, sobald es konkret um die Nennung der geistig Fittesten im Staate geht. Die konkreten Personen-Nennungen enthüllen eher einen Senioren- als einen Jugendkult.
Altern kann also – unter dem Aspekt der geistigen Fitness – ein erheblicher Gewinn sein. Offenbar schätzt man bei Senioren das Zusammentreffen von Erfahrung und aktueller geistiger Flexibilität.
Wie steht es mit dem vermeintlich verminderten Gedächtnis im Alter? Es muss nicht zwangsweise nachlassen. So gibt es objektive Belege über selbst von jüngeren Erwachsenen nicht erreichte psychische Hochleistungen, mit denen Senioren unter die Guinness-Gedächtnisrekordler aufgestiegen sind, beispielsweise die Deutschen Hedl Bäurle oder Rudolf Zenker, der sich mit 68 Jahren innerhalb weniger Minuten 500 neue Gesichter mit Vornamen einprägte und sie fehlerlos wiederholte.
Die Mehrheit der Senioren lässt geistig nach
Die Bevölkerung bewundert die geistige Fitness der genannten Senioren, die wichtige Vorbilder für geistige Fitness in der Gesellschaft sein können. Doch wenn es um Senioren allgemein geht, ist die Wertschätzung anders. Bekanntermaßen wird die geistige Leistungsfähigkeit älterer Menschen pauschal, also für die Mehrheit, nicht allzu hoch eingeschätzt. Senioren duldet man kaum noch im Arbeitsleben, und Ärzte stellen so geringe Ansprüche an deren Leistungsfähigkeit, dass bei vielen echte Altersdemenzen, die sich wesentlich in der geistigen Leistungsminderung äußern, lange nicht erkannt werden. Durchschnittsergebnisse in psychologischen Tests bestätigen diese Auffassung (noch?).
Seit den dreißiger Jahren wurden Studien zur Entwicklung der Intelligenz bei Erwachsenen veröffentlicht. Sie erbringen, soweit es um die aktuelle geistige Leistungsfähigkeit und nicht reine Erfahrung geht, übereinstimmend einen Abfall der Durchschnittskurven in der in Bild 1 gezeigten Art.
Bild 1: Mit welchen Maßnahmen lässt sich der Durchschnittsverlauf aktueller Intelligenzleistungen im höheren Alter anheben?
Nicht nur in künstlichen Tests sind viele Senioren im Vergleich zu jungen Erwachsenen geistig reduziert. Tests bieten zwar künstliche Aufgaben, aber sie zeigen an, wie jemand seinen Alltag geistig bewältigen kann. Da Intelligenzleistungen in Tests Hinweise geben, wie erfolgreich sich jemand mit den geistigen Anforderungen durch die Mitmenschen und Umwelt auseinandersetzen kann, müssten Intelligenzminderungen zu Schwierigkeiten in der Bewältigung der Alltagsaufgaben führen, mit denen man bislang fertig wurde. Dazu gehören das Verständnis von gedruckter oder gesprochener Information oder die Wortflüssigkeit und Gliederung eigener Gedanken beim Sprechen, die Organisation eines Tagesablaufes, das überschlägige Mitrechnen beim Einkaufen usw. Der geistigen Fitness kommt nicht nur als zentrale Komponente der Lebensqualität eine Schlüsselrolle zu, sondern auch, weil sie den Gewinn neuer Kompetenzen und die Führung eines selbständigen, von Hilfen durch andere Menschen weitgehend unabhängigen Lebens begünstigt.
Die GfG - von Anfang an wissenschaftlich begründete Gehirntrainings
Es ist ein zentrales Anliegen der GfG, für alle Altersgruppen sowie für Gesunde und Kranke nach Maßnahmen zu suchen, die geistige Leistungsfähigkeit wo möglich zu erhalten und zu steigern. Speziell für die Mehrheit der Senioren stellt sich die Frage, ob ihre Intelligenz- einschließlich Gedächtniseinbußen ganz oder wenigstens teilweise wieder rückgängig zu machen sind und ob sich sogar höhere Leistungen denn zuvor erzielen lassen.
Die GfG ist ein gemeinnütziger internationaler Verein, der sich für die Entwicklung und Verbreitung wissenschaftlicher Trainings zur Steigerung, Erhaltung und Wiederherstellung von Hirnleistungen einsetzt. Sie wurde 1989 mit dem Ziel gegründet, diese Erkenntnisse, Methoden und entsprechende Übungen allen Gesellschaftskreisen zugänglich zu machen. Ihre zweimonatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift "Geistig fit" enthält viele Übungen zum geistigen Training und informiert laufend über Grundlagen zur Wahrnehmung, Intelligenz, Konzentration, Kreativität, zum Denken, Lernen, Gedächtnis usw., über neue Erkenntnisse und Ereignisse.
Die GfG hat heute über 3.000 Mitglieder, etwa 550 Trainer für MAT (Mentales Aktivierungstraining), 20 Landesverbände in Deutschland, Luxembourg, Niederlande, Österreich und der Schweiz sowie über 20 Regionalverbände.
Senioren wollen geistig fit bleiben
Inzwischen wurde in der GfG eine ganze Palette wissenschaftlich geprüfter Maßnahmen zusammengetragen, die zur Erhaltung und Erhöhung der aktuellen geistigen Fitness, auf Dauer aber auch zur geistigen Leistungs-Optimierung beitragen. Dass sie damit den Bedürfnissen vieler Senioren entgegenkommt, zeigte eine Erhebung bei den Teilnehmern des im Jahr 2001 veranstalteten 1. Bayerischen SeniorenNetzForums. Unter den verbreitetsten Anliegen von Senioren wurden angeführt
- ”geistig fit bleiben, neue Kompetenzen gewinnen” und
- ”Gewinn an Lebensqualität durch geistiges Training und Erfolgserlebnisse”.
Welche Maßnahme eignet sich am besten?
Welche sich am besten eignet, kann man nicht allgemein, das heißt, ohne genauere Kenntnis des Bedarfs einer Person sagen. Es gibt viele Maßnahmen, die mehr oder weniger gut zur individuellen Lage passen. Für viele eignet sich MAT (siehe Rahmen).
Bild 2: Typische Gehirn-Jogging-Übungen seit 1982: Streichen Sie die zwei nebeneinander stehenden Ziffern durch, wenn sie gleich sind. Zügig vorgehen.
Das MAT = Mentales Aktivierungstraining fördert die GfG besonders, weil es eine der am breitesten anwendbaren und wissenschaftlich am besten gesicherten Methoden ist, die aus dem populär so genannten "Gehirn-Jogging" hervorging. Es dient als effizienter geistiger Aufwärmer, Fitmacher sowie Fithalter und somit als wichtige Voraussetzung für die Ausschöpfung der geistigen Leistungsfähigkeit. Es wird bevorzugt in Situationen angewandt, in denen man zu nichts Lust hat oder sich nicht aufraffen kann, um geistig auf Schwung zu kommen. Deshalb muss es einfach und leicht sein, und es soll nur fünf bis zehn Minuten durchgeführt werden. In dieser Zeit wird der Praktizierende meist wieder optimistischer und kann leichter als zuvor anspruchsvollere, für das eigene Leben wichtigere Tätigkeiten aufnehmen.
Bild 3: Anspruchsvollere Aufgabe: Wie viele verschiedene Rechtecke enthält die Figur? [8]
In mehreren wissenschaftlichen Arbeiten wurde nachgewiesen, dass durch regelmäßiges MAT-Gehirn-Jogging die geistige Leistungsfähigkeit in jedem Lebensalter, auch im höheren, erhalten bzw. zurückgewonnen werden kann. So führten 50- bis 70jährige zwei Wochen lang Übungen wie in den Bildern 2 und 3 entweder nach einer Papiervorlage oder auf dem Computer durch. Mit beiden Verfahren stieg der IQ im Durchschnitt um etwa 15 Punkte an. Ebenso nahmen die Gedächtnisleistungen und die Kommunikationsfreude zu. Bei Kontrollpersonen ohne derartige Übungen ergaben sich hingegen im gleichen Zeitraum keine Veränderungen. Aber selbst bei Patienten, die in ärztlichen Praxen bereits als leicht altersdement eingeschätzt wurden, verbesserte sich unter täglichen MAT-Übungen in wenigen Wochen der IQ in Intelligenztests auf ein Niveau, das diese Senioren in ihren besten Lebensjahren hatten. Nach drei Monaten dachte man leider, es sei "genug getan" und überließ die Patienten sich selbst; bei einer Untersuchung nach anderthalb Jahren waren die geistigen Leistungen bei den meisten so stark gesunken, dass sie nun als mittelschwer dement eingeschätzt wurden.
Selbstverständlich werden für andere Zwecke auch weitere Methoden wie Denk- und Konzentrationsspiele zur Erhaltung und Steigerung der geistigen Fitness empfohlen. Was in Betracht kommt, richtet sich nicht nur nach dem Zweck, sondern auch nach der Leistungsfähigkeit des Interessenten. Durch zu schwere Aufgaben beispielsweise entmutigt man eher als zu fördern. Zu lange geistige Beschäftigung schadet ebenfalls.
Viele, vor allem Senioren, wünschen sich eine individuelle Förderung, ohne Wettbewerb mit anderen. Einigen ist aber gerade der Wettbewerb das Gewürz, das ihnen zum geistigen Spaß verhilft. Für sie baut die GfG seit einiger Zeit Gedächtnis-Wettbewerbe auf, die auch als Fernwettbewerbe durchgeführt werden. Mehrere Kandidaten erreichten bereits Leistungen, die als Guinness-Rekorde anerkannt wurden.
Die notwendige körperliche Fitness
Geistige Fitness setzt körperliche Fitness voraus. Denn die geistigen Vorgänge laufen im körperlichen Organ Gehirn ab. Wenn es nicht optimal funktioniert, haben die besten psychologischen Tricks zur Förderung der geistigen Fitness und Kompetenz nur begrenzte Wirkungen. (vergleiche dazu die Beiträge "Geistige Fitness und Ernährung" und "Kompetent und fit durch körperliches und geistiges Training).
Durch Kunstlinse zur Hochbegabung
Die in der GfG vorgenommene Sichtung der wissenschaftlichen Veröffentlichungen fördert ständig neue Maßnahmen zu Tage, die teils erheblich auf die geistige Fitness einwirken. So wird gerade auf internationalen Kongressen und in wissenschaftlichen Zeitschriften ein bis dahin nicht beachtetes, aber für Senioren äußerst wichtiges Gebiet der geistigen Leistungssteigerung eröffnet. Es betrifft die Behebung von Sinnesminderungen, insbesondere Seheinbußen im Erwachsenenalter. Eine besondere Bedeutung hat der Graue Star, in anderen Worten "Katarakt", von dem kaum jemand verschont wird. Bereits mit 50 geht es bei vielen Menschen los, sie merken es nur zehn, 20 Jahre lang nicht. In Zusammenarbeit mit einer Universität durchgeführte Forschungen von Dr. med. Kristian Gerstmeyer, Augenarzt in Minden und am Klinikum Minden, haben ergeben, dass sich Katarakt-Patienten in einer schlimmen Lage befinden: Die meisten sind geistig abgebaut, bei vielen ist das soziale Netz verkümmert. Sie bewegen sich kaum noch aus dem Haus und nehmen an vielen Aktivitäten nicht mehr teil, die ihnen früher Freude bereiteten. Immer noch fügen sich viele in dieses vermeintliche Schicksal, obwohl Katarakt-Operationen in den letzten Jahren die häufigsten Operationen überhaupt geworden sind. Als Augenchirurg fragte sich Dr. Gerstmeyer, ob diese Operationen mehr bewirken, als die Sehtüchtigkeit zu erhöhen. Seine Untersuchungsergebnisse kommentiert er: "Es treten erhebliche Verbesserungen ein. In den Leitgrößen der Intelligenz, der Merkspanne und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, erreichten die meisten dieser zwischen 60 und 88 Jahre alten Patienten innerhalb weniger Wochen wahrscheinlich das höchste Niveau, das sie je in ihrem Leben hatten. Einige gerieten sogar in den Bereich der Hochbegabung. Und sie fühlten sich wieder wohler und sind aktiver." Dabei ist der Eingriff wenig belastend, die kranke getrübte Linse wird durch eine Kunstlinse ersetzt. Viele Patienten äußern sich gleich danach spontan: "Beim Zahnarzt ist es allemal schlimmer".
Wo ist das Ende der Steigerung?
Wahrscheinlich könnten viele bei einer Lebensführung mit hirngerechter körperlicher Fitness und bei Meidung geistiger Über- und Unterforderungen bis in´s hohe Alter das im jungen Erwachsenenalter erreichte Niveau erhalten, wenn nicht sogar darüber hinaus gelangen. Insgesamt wären sie dann, worauf Studien Hinweise liefern, nicht nur geistig reger, sondern auch zufriedener sowie gesünder und würden länger leben. Wie die Untersuchungen ebenfalls nahelegen, ist es in kaum einem Alter zu spät, derartige Vorzüge wiederzugewinnen.
Geistige Fitness selbst steuern
Fast alle Senioren haben die Möglichkeit, ihre geistige Leistungsfähigkeit durch entsprechendes Selbstmanagement zu optimieren, denn das dazu nötige Wissen steht zur Verfügung. Um die eigene geistige Fitness zu steuern, sind Grundkenntnisse über die menschliche Informationsverarbeitung bzw. das Gehirn und seine maximale Funktionsfähigkeit vonnöten. Diese Kompetenz kann durch Schriften und im Internet erworben werden, großteils kostenlos (www.gfg-online.de).
Viele Menschen sind allerdings keine Autodidakten, sie bevorzugen es, in der Gruppe zu üben und dort vielleicht auch Hintergrundkenntnisse zu gewinnen. Dafür wurden von der GfG MAT-Trainer und MAT-Therapeuten ausgebildet. Sie geben den einen dauernd Übungshilfen, den anderen einen Einstieg in das nötige Wissen, damit sie auf dieser Basis selbständig werden und sich selbst steuern können. Wer will, kann sogar an sich selbst Erfolgskontrollen durch spezielle dafür entwickelte Tests durchführen, um dadurch zu prüfen, wie sich die eigene geistige Leistungsfähigkeit unter den angewandten Maßnahmen verändert.
Wer sich geistig auf einem, bezogen auf die eigenen Möglichkeiten, hohen Niveau hält, gewinnt nicht nur persönlich durch eine höhere Lebensqualität und mehr Erfolg in einer Informations- und Wissensgesellschaft. Wegen des höheren Gesundheitsgrades und der ausgeprägteren Selbständigkeit werden die Sozialeinrichtungen, Krankenkassen und Pflegeversicherungen weniger belastet.
Weitere Informationen wie auch Überblicksarbeiten aus Zeitschriften und Büchern zu den wissenschaftliche Grundlagen von MAT finden Sie unter www.gfg-vorstand-erlangen.de
Dr. Siegfried Lehrl
Vorsitzender der GfG
Geschäftsstelle:
Postfach 1420, 85555 Ebersberg







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